Der Shogun und die Karaoke-Bar

Nach einer relativ kurzen Nacht in schmalen Betten haben einige Schlafdefizite, aber das wird konsequent ausgeblendet, denn da sollten noch einige dicke Dinger auf uns warten. Los ging’s wie immer mit dem Besuch im Supermarkt, der wie jeden Morgen zur Verpflegungsaufnahme herhalten musste. Dann ging es nach Nikkou in das Mausoleum von Shogun Taiyuin und da erschien er uns, Richard Chamberlain in traditioneller Robe ließ er längst vergessene Zeiten wieder aufleben und zeigte wie viel Demut und Leidensfähigkeit ein echter Samurai an den Tag legen muss, um ganz vorn dran zu sein. Ein paar Straßen weiter an einem idyllischen Flußlauf, trat er erneut in Erscheinung und wurde nun auch von einheimischen Kiebitzen bestaunt. Da uns die außerterrestrische Erfahrung aber noch nicht genug war, entschloß man sich, auch das letzte Geheimnis Japans zu lüften – die Karaoke-Bar! Wobei es sich in Japan hierbei nicht um ein Gruppenerlebnis handelt. Vielmehr wird allesz in einem kleinen muggelichen Separee abgefeiert – aber wie! Zum letzten mal liefen wir geschlossen zur Hochform auf und verabschiedeten uns gebührend mit einer gelungenen Version von Joe Cockers “Unchain My Heart” und mit ordentlich Remmidemmi aus einem unglaublich sympathischen Land. Wobei man wohl einen Japaner, und sei auch noch so klein, niemals im Karaoke schlagen wird.

After a relatively short night in tiny beds, we started into our last day in Japan. Point of departure, as always, the supermarket in which we restock our supplies of japenese snacks and sake. Thereupon, we headed to Nikkou and visited at the mausoleum of shogun Taiyuin and it was there that he appeared to us. Richard Chamberlain in a traditional robe teaching us the humbleness and capacity for suffering westerners in Japan must acquire in order to be at the very front. Later that day, he reappeared at a picturesque japanese river and was marvelled at by local dog owners.
At night there was yet another japanese secret to disclose – the karaoke bar. As expected, the japanese people are killer karaoke performers. There was only one among the Germans who was able to keep up with them: the drummer’s delivery of Joe Cocker’s “Unchain My Heart” may even have surpassed the original.

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Utsonomiya…

Von A nach B durchqueren wir das Land und machen einen gepflegten Stop, um uns von den japanischen Alpen inspirieren zu lassen. Das war auch bitter nötig, da wir noch viel Arbeit vor uns hatten. Der Club in Utsonomiya machte einen sehr soliden Eindruck. Die Ansage, dass an diesem Abend 7 Bands auf die Bühne sollen, war schon etwas einschüchternd, und als festgestellt wurde, dass der Techniker zwar sehr, sehr lieb, aber leider kein Techniker war, brach sogar etwas Konfusion aus. In solchen Fällen greift unsere Allzweckwaffe Karsten Pretschner und schon war die Sache mit dem Sound geregelt. Unser Abendbrot nahmen wir in einer kleinen, verhutzelten Baracke ein, in die genau 8 Leute reinpassten. Die hiesige Belegschaft stieß oft mit uns an und gönnte sich ein Schnäpschen nach dem anderen. Das Essen dauert daher etwas länger, und der Preis richtet sich scheinbar nach der Aufenhaltszeit im Verschlag. Es war grossartig! 00:00 war Stagetime und als wir am Ende gemeinsam mit unseren Gastgebern “This City is Ours” schmetterten, brachen alle Dämme und alle Handys waren auf uns gerichtet. Was für ein Finale!

On our way to Utsonomiya, we took a nice little break and sucked some inspiration from the Japanese Alps. We would need it badly later that night finding out that the venue’s sound engineer was a really nice guy but by no means a sound engineer. The soundcheck’s only result was the certainty that trying to play unplugged is not an option either. Instead, we wandered off and had dinner in a tiny shack, exhausting its capacity to the maximum. It took a lot of time since the little restaurant’s owner and bartender were too busy raising glasses with us to cook the food we ordered.
Stagetime was midnight and Garda’s most powerful weapon under such circumstances is Karsten Pretschner who did another complete setup and soundcheck while the DJs were blasting a japanese version of “Obladi Oblada”. The concert was certainly not our best but the grand finale of playing and singing “This City Is Ours” with our hosts and travelmates on stage with us and all cellphones raised in the audience was the greatest in its very own way.

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Matsumoto und die Sache mit den Bademänteln

Das Stempeln hat es uns angetan und es kam wie es kommen musste, wir haben jetzt unseren eigenen japanischen Garda-Stempel. Da das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein wäre, haben wir uns aufgemacht, das älteste Schloss Japans in Matsumoto zu besuchen, um dort noch mal ordentlich loszustempeln. Hat sich gelohnt, das Stempeln und das Schloss. Am Abend trafen wir dann auf die erste Band, der wir nicht gewachsen waren. So verschanzten wir uns in einem kleinen Backstage, stopften uns die Ohren voll mit allem, was wir finden konnten, und saßen den Lautstärkewahn aus. “You can kill with your music” warfen wir der Band hinterher freundlich an den Kopf, was sie mit einem ungläubigen “ambient music” beantworteten. Leider versäumten wir den ersten Act des Abends, was sich hinterher als ziemlich traurig herrausstellte, da Tokuhito Itagaki uns sehr zugetan war. Und wie machten wir den kleinen Lapsus wieder gut? Natürlich mit einem Foto. Nachts nutzte Frank wie jeden Abend den Service der hiesigen Hotels, er schmiss sich in seinen Bademantel und durchstreifte provokativ die Flure. Gott sei Dank ist nichts passiert und niemand wurde mehr als unvermeidbar belästigt!

Stamping things is something we like. Which is why garda had its own stamp manufactured yesterday. Then we stamped some more at Japan’s oldest castle in Matsumoto. In the evening, we encountered the first band we could not handle. Barricaded in a backstage, ears stuffed with toilet paper we sat through a loudness inferno. When we told them afterwards that we thought they could kill with their music, the band reacted surprised. “Ambient music”, they explained to us. Unfortunately, we missed the first act of the night, Tokuhito Itagaki. Thankfully, there was time for chatting and photo opportunities at least.
Still later in the night, Frank likes to take advantage of a wonderful hotel service that is the custom in Japan: a night gown/bath robe. We are still undecided whether to wear it in bed, in the morning, or after showers. Frank prefers to stroll hotel hallways in it way past midnight. So far, thankfully, noone was mollested more than inevitably necessary.20131220-152351.jpg

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Völkerverständigung die Dritte

Im Speckgürtel von Tokyo liegt Saitama, ein eher bodenständiger Ort, geprägt von grauen Häuschen und kleinen Manufakturen. Was noch nicht erwähnt wurde ist, dass unsere Reisegruppe mittlerweile auf 10 Personen angewachsen ist. Bald kann jedes Bandmitglied auf seinen eigenen Berater und Unterstützer zurückgreifen. In Saitama verbrüderten wir uns am späten Abend mit der japanischen Band “A Thousand Paperclips”, nicht nur durch einen simplen Handschlag, sondern durch intensive Fotoknipserei, Erfurchtsbekundungen und eine feine kleine Einführung eines japanischen Gitarristen in die Kunst der Pedalsteel-Gitarre. Dass man sich an diesem Abend besonders ins Herz geschlossen hatte, wird in der folgenden Bildauswahl deutlich. Als besonders ähnlich und seelenverwandt galten die Gitarristen, aber auch die Schlagzeuger hatten einiges gemeinsam. So parkte der japanische Trommler den Bandbus gleich zu Beginn direkt in die Schaufensterscheibe des Clubs – das könnte auch uns passieren. Provisorisch instandgesetzt wurde die Scheibe von einer gerufenen Fachkraft, die durch ihre bloße Anwesenheit gleich noch ein paar Handshakes und Bücklinge abgreifen konnte. Das Vorprogramm dieses Abends bestritten 2 Elektrofrickler, wobei der eine durch ausgefallenes Equipment und seine Hingabe bei uns punkten konnte. Beendet wurde alles durch das erstmalige, gemeinsame intonieren von “This City Is Ours”. Was für ein Abend!

It hasn’t yet been mentioned that the travel party has increased to ten in the meantime (hello masayo!). soon, each bandmember is going to have his own personal adviser and supporter. in saitama, we also bonded heavily with the japanese band “a thousand paperclips” including an introduction to pedal steel guitar playing and an intense photo session of the soulmate musicians of each band. especially the drummers had much in common as the paperclips drummer had parked their van in the front window of the venue which could easily have happened to our drummer as well. Throughout and after the concert, a repairman provisionally fixed the window which earned him an unexpected number of bows and handshakes during the farewell ceremony. the other support acts played electronic music one of which scored many points on our scale of exoticism thanks to his wonderous equipment and passionate performance. the night was closed by a conjoint performance of “this city is ours” including a drunk Pavement guitar solo. good times!

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